Tag 6: Allumfassende Kreativität

Ich habe mir eine kleine Zusammenfassung zum Thema Ganzheit notiert:

Jede Wahrnehmung ist individuell. Zum einen weil sie nur aus einer einzigen Perspektive möglich ist und zum anderen weil sie die wahrgenommene Struktur intuitiv vereint. Wenn wir die Perspektive verändern, verändern wir deshalb die ganze Wahrnehmung. Um unterschiedliche Wahrnehmungen in Bezug zueinander zu setzen, müssen wir zwischen ihnen wechseln und so eine neue intuitive Ganzheit bilden, die den Wechsel als solchen beinhaltet. Das galt allerdings schon für die erste Wahrnehmung, weshalb es immer um die Ganzheit von Wechseln geht.

Zum Glück nehmen wir diese zum großen Teil diffus als kondensierte Einheit wahr, besonders wenn wir den Wechsel quer betrachten, aber auch wenn wir uns in seiner Linie befinden. In letzterem Fall tarnt das Kondensat unser Potential die andere Wechselseite zu erreichen.

Ich habe nicht geahnt, dass ich mich so verständlich ausdrücken konnte…

…Wenn wir jedoch genau sein wollen, müssen wir den Wechsel bis ins unendlich Kleine verfolgen, um seine Ganzheit zu analysieren. Dabei finden wir, dass unterschiedliche Strukturebenen mit scheinbar unterschiedlichen Wechselgeschwindigkeiten geformt werden bis hin zur unendlichen Geschwindigkeit der Bewusstseinseinheiten, von denen eine auch den Gipfel unserer scheinlangsamen Wahrnehmung bildet. Mit ihr ist die letzte Verbindung zwischen der intuitiven Ganzheit und den Seiten des Wechsels hergestellt.

Amen. Ich gratuliere! Was machen wir mit dem Rest des Tages?

Ich hätte da schon noch ein paar Fragen.

Schießen Sie los.

Sie sagten, All-das-was-ist habe eine Struktur. Wenn es aber durch alles wechselt und dadurch reines Potential ist, wie kann es dann eine bestimmte Struktur haben?

Auf die Gefahr hin, dass Sie mich wieder verdächtigen, das Unendliche als Projektionsfläche zu missbrauchen: Ja, wir können Grundzüge einer wahrscheinlichen Gesamtordnung angeben, die sich aus ihrer Kombinationsfähigkeit und der ihrer Entwicklungsergebnisse ergibt. Das ist die gestern angedeutete hierarchische Ordnung von Ganzheiten, die Erzeugung beschränkter Gewahrseinsableger einer umfassenderen Wesenheit. Alle anderen Wechselvarianten bleiben unangetastet, wir werden nur weniger mit ihnen zu tun haben.

Wir schreiben All-dem-was-ist also nicht vor, wie es zu wechseln hat?

Nein, alle Wechselwege sind gleichberechtigt. Aber wir sehen öfter den einen als einen anderen, weil dies weniger innere Widersprüche erzeugt.

Und das Potential All-dessen-was-ist wird dadurch nicht eingeschränkt? Und damit Wahlfreiheit überhaupt?

Nein. Man kann allerdings nicht verlangen, dass selbst erzeugte Widersprüche an der gleichen Stelle geheilt werden. Wenn ich nach rechts und links zugleich gehen will, ist das "im Rahmen meiner Existenz" ein Widerspruch in sich. Ich kann ihn nur auflösen, indem ich diesen Rahmen erweitere, also zum Beispiel hochfliege oder mich aufteile. Wenn ich von All-dem-was-ist erwarte, dass es mir gegenüber Wechselstrukturen bevorzugt, die wenig anschlussfähig sind, wird es genau das nicht tun. Denn für mich existiert nur das, was im weitesten Sinn zu mir passt. Wir schaffen Gott nach unserem Bilde.

Mir scheint, Sie haben Ihren Beruf verfehlt.

Wem sagen Sie das?

Im Ergebnis haben wir nun allerdings doch eine Einschränkung All-dessen-was-ist.

Nur für uns. Wir haben versucht, in All-dem-was-ist etwas Konkretes zu sehen. Das ist berechtigt, da wir ja eine Beziehung zu ihm haben. Doch es ist bereits eine Kondensation, wenn auch für uns die allgemeinste.

Unsere außerirdischen Freunde könnten also andere allgemeinste Strukturen in ihm erkennen?

Dazu müssten sie uns wahrscheinlich so fremd sein, dass wir kaum noch von Freunden sprechen können. Aber auszuschließen ist es nicht.

Und eine viel höher entwickelte Wesenheit könnte beide in einem noch Allgemeineren aufgehen lassen?

Ja.

Dann könnte also All-das-was-ist auch etwas ganz anderes sein als wir glauben?

Sicher doch. Wir gehen hier mit dem, was wir wissen, so weit wie möglich, mehr nicht.

[...]

Leseprobe aus

Bewusstsein als I-Struktur

Das Spiel der Unendlichkeiten

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Claus Janew